CareerFoundry Gründerin über Women In Tech: „Frauen sollten es als selbstverständlich ansehen, in Männer-Domänen vorzudringen.“

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Die Zahlen überraschen kaum, sprechen aber trotzdem eine eindeutige traurige Sprache: Weltweit sind ganze 93 Prozent aller Entwickler Männer, wie die aktuelle Studie der Entwicklerplattform Stack Overflow ergab. Mit einem Mangel an Talent oder gar Veranlagung lässt sich diese extrem ungleiche Geschlechter-Verteilung definitiv nicht erklären: In 70 Prozent der Länder weltweit erzielen Mädchen in der Schule bessere Ergebnisse in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) als Jungen. Und doch liegt der Frauenanteil bei Absolventen der Informatik-Studiengänge im Schnitt noch immer bei lediglich 15 Prozent; über die Gründe für den geringen Anteil der Women in Tech wird seit Jahren diskutiert. Vielleicht sollten wir uns lieber auf die Frage konzentrieren, wie wir ihn erhöhen?

Frauen als „Programmier-Nerds“? Unbedingt!

Es gibt bereits zahlreiche Initiativen, die Mädchen und Frauen an IT-Berufe heranführen und das Bewusstsein für die Dringlichkeit von mehr Vielfalt in der IT-Branche stärken wollen. Ob die Geekettes, Digital Media Women, Witas – Women in Tech and Startups, die Rails Girls, die kostenlose Einsteigerworkshops zum Programmieren-Lernen anbieten, oder Girls Who Code, eine Initiative, die zuletzt mit recht provokativen Videos Aufmerksamkeit erregte – sie alle spornen Frauen an, ihren beruflichen Weg nicht von Kulturklischees bestimmen beziehungsweise einschränken zu lassen.

Denn das Frauen entweder kein Interesse oder mangelndes Talent für IT-technische Berufe wie etwa Software- oder App-Entwickler hätten, ist genauso überholt wie das Klischee vom Nerd, der im dunklen Keller seine Code-Zeilen in die Tastatur hackt. Coding hat sehr viel mit Teamarbeit, Design und Kreativität zu tun – ein spannender, abwechslungsreicher Job.

"Coding hat viel mit Teamarbeit, Design und Kreativität zu tun."

Mein persönlicher Weg hat mich eher durch Zufall in den Tech-Bereich geführt. Nach meinen ersten Berufsjahren im Bankensektor erhielt ich die Chance, eine Tech-Firma für Rocket Internet in China zu gründen. Die Chance kam zwar nicht ganz aus heiterem Himmel, da ich zuvor bei einem Investment-Berater in London tätig war und schon Erfahrung auf internationalem Gebiet hatte. Nichtsdestotrotz war es keine Selbstverständlichkeit für mich, in den Tech-Sektor einzusteigen und ich bin des Öfteren Widerständen und Ungerechtigkeiten begegnet, allein weil ich eine Frau bin.

Die Qualifikation zählt, nicht das Geschlecht

Als ich zurück nach Deutschland kam und beschloss, CareerFoundry zu gründen, um Menschen dabei zu unterstützen, ihr Potenzial zu entdecken, auszuschöpfen und einen tollen Job in der Tech-Industrie anzunehmen, begann für mich eine komplett neue, einzigartige, nervenaufreibende und zugleich extrem bereichernde Zeit.

"Wichtig ist, dass Menschen zunächst ihr eigenes Potenzial entdecken."

CareerFoundry Gründerin Rafaella Rein

Bei CareerFoundry erleben wir jeden Tag, wie Talente auch aus vollkommen technikfernen Bereichen alles geben, um Fuß in der Tech-Industrie zu fassen. Dazu gehören Geisteswissenschaftler, die den Quereinstieg verfolgen genauso wie Mütter in Erziehungszeiten, die beschließen, sich weiterzubilden, um sich zum Beispiel als UX Designer selbstständig zu machen. Wichtig ist, dass Menschen zunächst ihr eigenes Potenzial entdecken und vor allem die Möglichkeit bekommen, es optimal auszuschöpfen.

Was können wir Frauen dazu beitragen?

Wir sollten es als selbstverständlich ansehen, in diese vermeintlichen Männer-Domänen vorzudringen. Wichtig ist vor allem die Qualifikation. Meiner Erfahrung nach helfen vor allem konkrete Projekte, anhand derer man seine Praxiserfahrung beweisen kann, einen potenziellen Arbeitgeber von sich zu überzeugen.

"Frauen sollten es als selbstverständlich ansehen, in vermeintliche Männer-Domänen vorzudringen."

Das können eine privat entwickelte Website, eine App für eine Firma von Freunden oder die Programmierprojekte aus einem Online-Kurs sein. Was zählt, sind Kreativität und Flexibilität bei der Umsetzung. Die IT-Branche bietet so viele Möglichkeiten – je mehr Frauen diese ergreifen, umso besser.

Foto: CareerFoundry

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