Das neue Mag „Deine Korrespondentin“ will andere Geschichten erzählen als etablierte Medienhäuser

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Pauline Tillmann ist eine leidenschaftliche Journalistin und hat im Mai 2015 das Magazin "Deine Korrespondentin" gegründet. Es handelt sich hierbei um ein Magazin von Frauen über Frauen. Diese Frauen sind inspirierend und gut ausgebildet, zwischen 27 und 49 Jahre sind und, die sich in einer bestimmten Region auskennen, die Sprache sprechen, über hervorragende Kontakte verfügen und multimedial arbeiten. Gemeinsam will das Magazin andere Geschichten erzählen als etablierte Medienhäuser. "Wir wollen in den nächsten Jahren zur führenden Content-Agentur für Auslandsgeschichten im deutschsprachigen Raum werden."

Was genau steckt hinter der "Deine Korrespondentin" - Idee?

Wir sind ein digitales Magazin von Frauen über Frauen. Unsere Korrespondentinnen berichten über inspirierende Frauen auf der ganzen Welt, die man sonst wohl kaum kennenlernen würde. Gleichzeitig wollen wir die Sichtbarkeit der Korrespondentinnen erhöhen, die nicht jeden Tag in der Tagesschau zu sehen sind. Dabei handelt es sich um gut ausgebildete Frauen zwischen 27 und 49 Jahren, die sich in einer bestimmten Region auskennen, die Sprache sprechen, über hervorragende Kontakte verfügen und multimedial arbeiten.

Gemeinsam wollen wir andere Geschichten erzählen als etablierte Medienhäuser. Und: Wir wollen Geschichten anders erzählen, das heißt, wir experimentieren verstärkt mit Text, Foto, Audio und Video. „Deine Korrespondentin“ ist ein Experimentierlabor, das nicht nur an einem neuartigen Geschäftsmodell arbeitet sondern auch Impulse für die Branche setzen will. Wir erleben gerade eine Pionierzeit im Journalismus – wir wollen diesen Prozess aktiv mitgestalten.

Du bist Teilnehmerin des ersten Medien-Batches des Inkubators „Project Flying Elephant“. Wie bist du auf das Inkubator-Programm aufmerksam geworden?

Der Herausgeber von „Krautreporter“, Sebastian Esser, hat mich darauf aufmerksam gemacht. Ich wusste, dass uns so ein Programm helfen würde, uns weiter zu professionalisieren. Also habe ich recherchiert und bin immer wieder darauf gestoßen, dass Acceleratoren und Inkubatoren nur an Tech-Start-ups interessiert sind. Content-Start-ups wachsen langsamer und sind weniger skalierbar. Das schreckt viele Investoren erst einmal ab.

Deshalb hat es mich umso mehr gefreut, dass Masoud Kamali, der den Inkubator initiiert hat, anders tickt. Er glaubt an gute Inhalte und auch daran, dass man damit – immer noch – mittelfristig Geld verdienen kann.

Was hat dich dazu bewogen, dich hier zu bewerben?

Ich bin leidenschaftliche Journalistin. Vor 14 Jahren habe ich meine ersten Sporen bei einer Lokalzeitung verdient. Während des Studiums habe ich unzählige Praktika absolviert, im Ausland studiert und gearbeitet und beim Bayerischen Rundfunk in München volontiert.

Von 2011 bis 2015 war ich freie Auslandskorrespondentin in St. Petersburg und habe für deutsche Medien über Russland und die Ukraine berichtet. Ich weiß wie man spannende Radio-Features oder Magazinbeiträge fürs Fernsehen umsetzt, aber betriebswirtschaftlich kannte ich mich bislang weniger gut aus.

Deshalb hilft es ungemein, mich mit anderen Start-ups auszutauschen. Ich profitiere von Masouds Netzwerk, vom Co-working Space, vom Feedback der Mentoren, von den Workshops. Und natürlich ist es großartig, dass wir finanziell unterstützt werden und uns ein halbes Jahr intensiv um unser Projekt kümmern können.

"Deshalb hilft es ungemein, mich mit anderen Start-ups auszutauschen. Ich profitiere von Masouds Netzwerk, vom Co-working Space, vom Feedback der Mentoren, von den Workshops."

Was erwartest du vom Inkubator-Programm?

Der Austausch mit den anderen Start-ups war mir besonders wichtig, weil „Deine Korrespondentin“ ein virtuelles Netzwerk ist. Ich bin die Einzige, die sich seit Sommer 2015 in Vollzeit um dessen Weiterentwicklung kümmert. Die acht Korrespondentinnen, die auf der ganzen Welt verteilt sind und regelmäßig Artikel auf unserer Website publizieren, arbeiten noch für viele andere Medienhäuser.

Wir haben zwar einmal im Monat eine Skype-Konferenz, aber trotzdem fehlt natürlich der Austausch, den man in einer „normalen Redaktion“ hätte. Außerdem bewegen wir uns hier in Berlin in einem sehr fruchtbaren Umfeld. Es gibt viele spannende Projekte, unzählige Netzwerk-Treffen, viel Input. Das alles hilft enorm, um die eigenen Ziele und Visionen immer klarer zu formulieren.

Bislang gründen ja noch ziemlich wenige Frauen, generell Start-ups und speziell noch weniger im Tech-Bereich. Was denkst du, ist der Grund dafür?

Ich glaube das hängt wesentlich damit zusammen, dass wir in Deutschland große Angst vorm Scheitern haben – wir als Gesellschaft insgesamt und natürlich Frauen im Besonderen. Sie haben den Eindruck, dass sie alles perfekt machen müssen, dass sie im Job brillieren müssen, in der Kindererziehung, im Haushalt. Misserfolg ist da einfach nicht vorgesehen. Viele Frauen glauben, dass es ihnen als Makel anhaftet, wenn sie etwas ausprobieren, das nicht geklappt hat. Dabei habe ich eine gänzlich andere Erfahrung gemacht.

Gerade durch meine Zeit in den USA – ich habe im Herbst 2014 drei Monate zur Zukunft des Journalismus recherchiert – lernte ich so viele faszinierende Menschen kennen, die eine andere Philosophie verfolgen. Stichwort „trial and error“. Du scheiterst, stehst auf, scheiterst wieder und schaffst dann etwas Großes. Kein wirklich erfolgreiches Start-up hat es beim ersten Anlauf geschafft. Du musst Fehler machen, daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen.

"Du musst Fehler machen, daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen."

Aber wenn man, wie in Deutschland, es erst gar nicht probiert, bleibt man auf der Stelle und kommt nicht weiter. Meinem Eindruck nach befand sich der Journalismus in den vergangenen Jahren in einer Art Schockstarre, weil man erkannt hat, dass man nicht mehr so weitermachen kann wie bisher. Gleichzeitig waren Verleger und Manager darum bemüht, den Status Quo beizubehalten. Bloß kein Risiko eingehen. Bloß keine Leser vergraulen. Dabei geht es in diesen Zeiten genau darum: Mutig neue Dinge zu wagen, die nicht sofort auf Anklang stoßen.

Was müsste passieren, damit sich das ändert?

Wir müssen unsere Ängstlichkeit ablegen und Scheitern als Chance begreifen. Natürlich scheitert niemand gerne. Leistung und Erfolg sind die Währungen, die in unserer Gesellschaft zählen. Aber gerade, wenn sich so viel ändert wie in der Medienbranche, kann man sich dem Fortschritt nicht dauerhaft entziehen.

Ich bin davon überzeugt, dass Medienhäuser, die jetzt investieren und kluge Visionäre einstellen, eine großartige Zukunft im digitalen Zeitalter haben werden. Gleichzeitig werden diejenigen, die es nicht schaffen, ihre Relevanz und Einzigartigkeit herauszustellen, von der Bildfläche verschwinden.

"Ich bin davon überzeugt, dass Medienhäuser, die jetzt investieren und kluge Visionäre einstellen, eine großartige Zukunft im digitalen Zeitalter haben werden."

Welche Tipps kannst du anderen Gründerinnen mit auf den Weg geben?

Ich habe das Gefühl, dass gerade im Medienbereich in den vergangenen zwei Jahren viel in Bewegung geraten ist. Es gibt immer mehr Journalisten – Frauen und Männer – die sich trauen, ihr eigenes Ding zu machen und ein eigenes Projekt auf den Weg zu bringen. Das macht Mut!

Gleichzeitig sollte man sich klar machen, dass für den Erfolg eines Start-ups nicht nur die Idee entscheidend ist, sondern auch die Umsetzung. Journalisten wollen tolle Inhalte schaffen. Das ist wunderbar, aber es gehört eben noch mehr dazu, ein Unternehmen zu gründen.

Du brauchst betriebswirtschaftliches Know-how, du musst wissen was ein Businessplan beinhaltet, wie ein idealer Pitch aussieht, wie Online-Marketing funktioniert. Guter Content ist nur die halbe Miete. Es geht wesentlich darum, möglichst schnell Reichweite aufzubauen, Social-Media-Kanäle meisterhaft zu bespielen und ein schlagkräftiges Team mit unterschiedlichen Kompetenzen auf die Beine zu stellen.

"Du brauchst betriebswirtschaftliches Know-how, du musst wissen was ein Businessplan beinhaltet, wie ein idealer Pitch aussieht, wie Online-Marketing funktioniert. Guter Content ist nur die halbe Miete."

Du darfst dich von Rückschlägen – von denen es eine Menge geben wird – nicht entmutigen lassen, sondern an deine Vision glauben. Und dir klar machen: Du brauchst einen langen Atem. Ein Start-up zum Erfolg zu führen, dauert mindestens zwei bis drei Jahre. Wir sprechen da also eher von einem Marathon als von einem Sprint.

Was ist dein Plan für 2016?

Der Plan für 2016 ist ein tragfähiges Geschäftsmodell zu finden. Wir haben zunächst eine Bezahlschranke ausprobiert und dachten, das könnte eine veritable Einkommensquelle sein, aber wir haben uns geirrt. Für ein Nischenmedium ist es extrem schwierig, Geld von Lesern zu verlangen, wenn sehr viel hochwertiger Inhalt im Netz frei verfügbar ist. Auch von Stiftungsfinanzierung sind wir erst einmal abgekommen.

"Wir wollen in den nächsten Jahren zur führenden Content-Agentur für Auslandsgeschichten im deutschsprachigen Raum werden."

Wir fokussieren uns jetzt ganz auf die Kooperation mit Zeitungen und Magazinen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die unsere Geschichten publizieren. Das heißt konkret: Wir wollen in den nächsten Jahren zur führenden Content-Agentur für Auslandsgeschichten im deutschsprachigen Raum werden.

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