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Hochsensibilität – Was bedeutet es hochsensibel zu sein?

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Das Thema Hochsensibilität ist zwar nicht neu, jedoch befindet sich sowohl die Forschung als auch die Bekanntheit in der Öffentlichkeit noch am Anfang. Das muss geändert werden und daher hat die wundervolle Carina von „Being Carried“ diesen aufschlussreichen Artikel darüber geschrieben, was es bedeutet hochsensibel zu sein. Viel Spaß beim Lesen!

Hintergründe zur Forschung über Hochsensibilität

Die amerikanische Psychotherapeutin und Universitätsprofessorin Elaine N. Aron beschäftigte sich 1997 erstmals mit den Besonderheiten hochempfindlicher Menschen. Sie schuf den Begriff „HSP“ („highly sensitive person“) und setzte damit den Grundstein für die Hochsensibilitätsforschung. Laut Aron sind 80% aller Menschen und Tiere mehr oder weniger empfindlich; sie stellen die Mehrheit dar und bestimmen damit die Norm. Im Gegensatz hierzu sind 15% bis 20% aller Menschen und Tiere hochempfindlich; sie stellen die Minderheit, die von der Norm abweicht.

Was bedeutet es genau, hochsensibel zu sein?

In jedem Moment prasseln abertausende Reize auf uns ein: Zum einen sind da die äußeren Reize, wie z.B. der Wind, der durch unser Haar fährt, der Gesang der Vögel in den Bäumen, die Reibung unserer Kleidung auf unserer Haut, das Hupen der Autos auf der Straße oder das Trippeln des Balles, mit dem der Nachbarsjunge gerade spielt. Zum anderen handelt es sich um unsere inneren Reize, das heißt unsere Gedanken, Gefühle, Ideen, Phantasien und Erinnerungen. Würde unser Gehirn alle Reize ungefiltert ins Bewusstsein lassen, würden wir schnell einen nervlichen Zusammenbruch erleiden, denn diese Informationsflut ist mehr, als wir parallel zu verarbeiten in der Lage sind. Daher filtert das Gehirn die Eindrücke und Gedanken heraus, die uns gerade nützlich sind oder die uns auf Gefahren hinweisen, und lässt nur sie ins Bewusstsein vordringen. Alle anderen Reize werden ausgeblendet.

Die Reizfilter von Hochsensiblen lassen weitaus mehr Reize und Eindrücke ins Bewusstsein strömen, als es bei Normalempfindlichen der Fall ist. In der Hirnforschung wird das menschliche Gehirn oft mit einem Bio-Computer verglichen. Alle eingehenden Daten und Informationen müssen verarbeitet werden, bevor sie gespeichert werden können. Dazu sind sowohl Zeit, als auch Rechenleistung notwendig. Sofern diese Systemressourcen nicht ausreichend vorhanden sind, weil z.B. mehrere Programme parallel laufen, kommt es zum Systemabsturz.

Beispiel: Die Partysituation

In seinem Bestseller „Zart Besaitet“ macht Georg Parlow das Phänomen beispielhaft anhand einer Partysituation deutlich: Ein hochempfindlicher und ein normalempfindlicher Mensch gehen auf eine Party und betreten zum ersten Mal an diesem Abend den Raum. Der Normalempfindliche wird beim Betreten des Raumes die anwesenden Gäste wahrnehmen und wahrscheinlich kategorisieren nach „kenne ich“, „kenne ich nicht“, „sympathisch“ oder „uninteressant“. Spricht ihn der Gastgeber nun an und fragt, was er trinken möchte, so wird er sich dankbar in ein Gespräch verwickeln lassen und den Rest des Raumes darüber hinaus ausblenden.

Auch der Hochempfindliche ordnet die Anwesenden nach den oben genannten Kategorien. Gleichzeitig nimmt er ihren momentanen Zustand und ihre Stimmung wahr, z.B. „schuldbewusst und bemüht“, „verliebt, aber schüchtern“ oder „eitel, aber integer“. Weiter „sieht“ er die Beziehungen der im Gespräch Vertieften und erkennt aus der Distanz, wer sich mag, wer sich nicht ausstehen kann, wer sich profiliert, wer wen wegen Liebeskummer tröstet, wer Intrigen schmiedet, usw. Außerdem nimmt er unmittelbar die Raumdekoration wahr, schließt aus manchen Details, dass der Dekorierende sich beeilen musste, bemerkt die Musik, den Rauch in der Luft und das offene Fenster am anderen Ende des Raumes, den Geruch aus der Küche und den eigenen Hunger. Wenn nun an diesem Punkt, – an dem all die vielen Eindrücke gerade erst aufgenommen und noch nicht verarbeitet wurden, – der lächelnde Gastgeber den Hochempfindlichen fragt, was er denn gern trinken möchte, kann das beim HSP zur völligen Reizüberflutung führen: Stottern, Stimmversagen und die völlige Unfähigkeit, einen klaren Gedanken zu fassen, sind die peinlichen Folgen.

Mehr Zeit und Ruhe für Hochsensible

Hochsensible brauchen viel mehr Zeit und Ruhe, um die Flut eingehender Reize angemessen verarbeiten und sich wieder regenerieren zu können. Wird ihnen dies verwehrt oder verwehren sie es sich selbst, so kommt es zu einer Reizüberflutung, einer Überstimulation. Dies äußert sich in zunehmender Nervosität, Unruhe, Verwirrtheit und inneren Blockaden. Viele HSP leiden dann unter Schweißausbrüchen und Erröten, sie zittern, stottern, stammeln oder verzweifeln an Stimmversagen. Hält die Überstimulation über einen längeren Zeitraum hin an, kann es zu Depressionen oder Angstzuständen kommen.

Hochsensibilität im gesellschaftlichen Kontext

Im alltäglichen Leben fühlen sich Hochsensible aufgrund ihrer außergewöhnlich hohen Empfindsamkeit zumeist als Sonderlinge und Außenseiter. Genauer betrachtet liegt die tiefere Ursache hierfür vor allem einem grundsätzlichen, gesellschaftlichen Missverständnis zugrunde: Viele nicht hochsensible Menschen sind sich zwar darüber im Klaren, dass es mehr und weniger empfindliche Menschen gibt, sie vertreten jedoch unreflektiert die Ansicht, dass die Zahl der besonders empfindlichen Menschen vernachlässigbar gering sei. Hochempfindliche auf der anderen Seite gehen davon aus, dass alle anderen genauso sensibel und empfindlich seien wie sie selbst, und fühlen sich infolgedessen von ihrer Umwelt ausgegrenzt und unverstanden, wenn ihnen z.B. erklärt wird, sie sollen „nicht so empfindlich“ sein. Sie bekommen so das Gefühl, mit ihnen sei etwas nicht in Ordnung und quälen sich in der Konsequenz mit Selbstzweifeln. Die gesellschaftliche Sensibilisierung für das Thema HSP räumt daher langfristig Missverständnisse zwischen Hochempfindlichen und Normalempfindlichen aus dem Weg und führt zu mehr Toleranz und Rücksichtnahme.

Da die HSP-Forschung noch in den Kinderschuhen steckt, liegt aktuell keine neurowissenschaftlich anerkannte, einheitliche Definition des Phänomens vor. Dennoch wird das Thema derzeit in Gesellschaft und Wissenschaft zunehmend aufgearbeitet. Zahlreiche Bücher von und für hochsensible Menschen sind in den vergangenen Jahren erschienen und bieten ihren Lesern sowohl umfassende Beschreibungen der HSP-Eigenschaften, als auch nützliche Tipps und Hinweise zur Bewältigung der großen und kleinen Schwierigkeiten, mit denen Hochsensible sich im Alltag konfrontiert sehen.

Dass manche Menschen weitaus empfindsamer sind als andere, kommt schließlich jeder Gesellschaft zugute: Hochsensible Menschen sind jene mit dem so genannten „siebten Sinn“. Sie sind einfühlsame Zuhörer, kluge Ratgeber und loyale Freunde. Ihre Begeisterungsfähigkeit steckt an, sie sind sehr kreativ und oft künstlerisch oder musisch begabt. Sie arbeiten gewissenhaft und streben nach Harmonie und Gerechtigkeit. Wenn sie die Möglichkeit erhalten, ein gesundes Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu entwickeln, können sie ihre besonderen Bedürfnisse klarer wahrnehmen und ihre Stärken für sich und andere besser zum Vorschein bringen.

Bist du hochsensibel?

Wenn du dich nun fragst, ob du auch hochsensibel bist, dann kannst du hier einen ersten Test machen.

Wie seht ihr das Thema „Hochsensibilität“?

Buchtipps zum Thema Hochsensibilität

Für alle, die noch mehr zu diesem Thema erfahren wollen, hier noch einige gute Buchtipps zum Thema Hochsensibiltät.

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4 Comments

  1. Hallo Carina,

    danke für diesen Artikel.

    Ich selbst bin auch Hochsensibel, was ich erst seit ein paar Monaten weiß. Durch einen Zufall bin ich im Internet darauf gestossen und habe mich sofort wieder erkannt. Alles trifft zu. Genau so, wie es im Artikel beschrieben steht, fühle ich mich auf Partys, die ich deswegen auch nicht besonders gut leiden kann.

    Schlimm ist es für mich oft, wenn Menschen mir sagen, dass sie mich mögen und ich dann spüre, dass sie mich gar nicht mögen 😀 Aber auch damit habe ich gelernt umzugehen. Jeder Tag ist oft eine Herausforderung, der ich mich mittlerweile jedoch gerne stelle.

    Lieber Gruß
    Nuriyya

    • Liebe Nuriyya,

      vielen Dank für deine Nachricht und dein Feedback!

      Ich kann total gut verstehen, dass du Partysituationen wie die oben beschriebene meidest – das tun sehr viele HSP! Und das ist verständlich, denn es ist wirklich anstrengend, wenn man hochempfindlich ist. HSP brauchen nach solchen Feiern oft 1-2 Tage Ruhe, um sich zu regenerieren.

      Es ist wichtig, dass wir verständnisvoll und liebevoll mit uns selbst umgehen, selbst dann, wenn andere vielleicht kein Verständnis dafür haben, dass wir weniger belastbar sind. HSP haben ein großes Bedürfnis nach Harmonie, weshalb die meisten von ihnen eher dazu neigen, sich so lange den Erwartungen der Masse anzupassen, bis sie gnadenlos Reiz überflutet sind und sich zurückziehen müssen, wenn sie nicht „verrückt werden“ wollen. Ich glaube, dass sich das in den nächsten Jahren zunehmend ändern wird, je mehr eben die öffentliche Aufmerksamkeit für HSP wächst und die Masse versteht: Aha! Es gibt tatsächlich Menschen, die einfach viel empfindlicher sind als die meisten!

      Zu bemerken, dass der andere einen anschwindelt, wenn es um die Sympathie füreinander geht – das kenne ich auch gut! Das funktioniert übrigens auch in die andere Richtung, wenn man nämlich genau merkt, dass der andere große Zuneigung für einen selbst empfindet, er es aber nach außen hin verleugnet und herunterspielt. Es ist in beiden Fällen immer total unverständlich für einen HSP, warum kein anderer im Raum wahrnimmt, dass hier geschummelt wird.

      Ich finde es super, dass du dich allen Herausforderungen stellst! Mach weiter so! Es ist wichtig, dass HSP sich ihrer Eigenarten, Besonderheiten und Talente bewusst werden, dass sie sich die Zeit und Ruhe gönnen, die sie brauchen, und mit Selbstbewusstsein und Mut ihren Weg gehen. Hochempfindliche Menschen haben alles, was es braucht, um die Welt ein Stückchen besser zu machen.

      Viele liebe Grüße,
      Carina

  2. HALLO Carina,

    Danke für diesen Artikel! Auch ich bin hochsensibel und weiß dieses nun seit ca. 2 Jahren. Ich habe mich früher immer gefragt, ob ich die Einzige bin, die bestimmte Feinheiten in Ihrer Umgebung wahrnimmt und mich demnach oft anders und teilweise auch allein gefühlt. Als mir vor circa 2 Jahren eine Erzieherin den Tipp gab, dass mein Sohn zur Hochsensibilität neigt, habe ich mich das erste Mal mit diesem Thema befasst. Als ich dann das Buch „Zartbesaitet“ gelesen habe, war das wie ein Befreiungsschlag für mich. Auf einmal gab es für dieses eigenartige Gefühl so viele Antworten und Erklärungen, die mir halfen meinen Sohn und mich besser zu verstehen. Heute ist es für mich zumindest einfacher „hinzunehmen “ wenn andere Menschen – meiner Meinung nach -, also so wie ich das als Hochsensibler empfinde, mit „verschlossenen Augen“ durchs Leben laufen. Zuschaffen macht mir aber nach wie vor der hohe Geräuschempfindlichkeit und die taktile Feinfühligkeit. Damit werde ich wohl einfach leben müssen… 🙂

    • Hallo liebe Anika,
      das ist ja lustig. Ich habe damals auch das gleiche Buch gelesen und dadurch gemerkt, dass ich wohl hochsensibel bin. Ist etwa auch 2-3 Jahre her. Freut mich, dass du nun als Mama nun auch von den Fähigkeiten deines Sohnes weißt und entsprechend darauf eingehen kannst. Damit kannst du ihm sicherlich viel dabei helfen, sich schon viel früher als wir in der Welt zurechtzufinden. Und ihm zeigen, dass HSP keine Last sondern eine positive Besonderheit sein kann 🙂 Alles gute dabei!
      Liebe Grüße,
      Maxi

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