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Meditation für Frauen: Warum & wie ‚feminin meditieren‘ funktioniert + praktische Übung

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Vielleicht hast Du noch nie etwas vom femininen Meditieren gehört. Das liegt insofern nahe, als in der gegenwärtigen Meditationswelt zwischen femininer und maskuliner Meditationspraxis kaum unterschieden wird.

Ich weiß. Eine solche Behauptung wird schnell damit assoziiert, eine Trennlinie zwischen Frauen und Männern zu ziehen. Doch darum geht es ganz und gar nicht. Auch für Männer kann eine feminine Meditationspraxis durchaus passen. Am besten ist es, wenn ich erst einmal erzähle, wie ich dazu gekommen bin, mich mit dem femininen Meditieren zu befassen.

​Meine Meditative Erfahrungen

Ich selbst meditiere seit über 20 Jahren, gebe meine Erfahrungen auch als Meditationsmentorin weiter und schreibe Bücher über die körperorientierten Meditation.

Gekommen bin ich zur Meditation über das Praktizieren von Yoga und Tai Chi, ja, über das bewusste Bewegen des Körpers und nicht zuletzt über meine Erfahrung mit der Feldenkraismethode.

Letztere hat mich mit ihren achtsam ausgeführten Bewegungen unglaublich inspiriert. Beispielsweise werden zwischen den Bewegungssequenzen Pausen eingelegt, in denen das Gehirn die gesetzten Impulse “verdaut”.

Vollkommen unerwartet fand ich mich in einer unendlichen inneren Stille wieder.


Und in einer solchen Bewegungspause habe ich vor über zwei Jahrzehnten meine erste so genannte “meditative Erfahrung” gemacht. Vollkommen unerwartet fand ich mich in einer unendlichen inneren Stille wieder. Damals war es für mich wie ein Wunder, das mich gefunden hatte.

Es glich dem Nach-Hause-Kommen nach einer langen, langen Reise, nur dass dieses Ankommen in meinem Inneren geschah.

Meditation kann nur “geschehen”

Wie Ihr Euch vielleicht vorstellen könnt, wollte ich diese Erfahrung unbedingt wiederholen und versuchte alles Mögliche, um dieselben Bedingungen herzustellen. Wer sich jedoch mit der Innenwelt des Organismus ein wenig auskennt, weiß, dass das so mit der Meditation nicht funktioniert.

Wir können diese Erfahrungen der Stille nämlich nicht produzieren, “machen” oder herstellen. Wir können den Boden dafür bereiten. Ja, das können wir. Wir können die zu uns passenden Methoden der Innenschau finden und herausfinden, worauf unser Organismus am am besten mit Zentrierung und Ruhe reagiert. Aber die Erfahrung von Meditation kann nur geschehen, ja, passieren. Und mit dieser Erkenntnis fingen meine inneren Expeditionen an.

Ich begann zu forschen und fühlte mich immer wieder magisch angezogen von verschiedenen Arten der Bewegungsmeditationen, die Aktivität erlauben, Atmung und Stimme einsetzen, Tanz und Formen des Selbstausdrucks benutzen, um damit den Bogen in die Stille zu schlagen.

Aus der Aktivität in die Ruhe

Und dabei bemerkte ich eines: Während mich das stille disziplinierte Sitzen, das zu den traditionellen maskulinen und heute am häufigsten praktizierten Meditationstechniken zählt, nicht nur langweilte, sondern auch nicht mit meinem Körper harmonisierte, gelang es mir hingegen spielend leicht, mit aktiven, feminineren Meditationsformen aus dem ewig rödelnden Verstand auszusteigen. 

​Es gelang mir ​spielend leicht, mit aktiven, feminineren Meditationsformen aus dem ewig rödelnden Verstand auszusteigen.


Für meinen Körper fühlte es sich um ein Vielfaches natürlicher an, zunächst bewegt zu sein und dann sukzessiv nach innen einzukehren.

Hier ein kurzer Vorausblick: Die Meditationstechnik, die ich Euch am Ende des Artikels vorstelle, bezieht sich genau auf diese Mechanismus, nämlich aus der Bewegung in die Stille einzuziehen.

Nachdem der Körper sich ausgedrückt hat, fällt es dem Nervensystem leichter, zur Ruhe zu kommen und die Einkehr nach innen zu erlauben. Und diese Erfahrung teile ich inzwischen mit vielen Frauen.

​Photo by Hudson Hintze

Feminine Techniken im Hier und Jetzt

Und jetzt zum femininen Meditieren. Denn: Wie und auf welchem Wege wir die innere Erfahrung von Meditation berühren, ist sehr individuell und hat etwas mit verschiedenen Faktoren, u. a. auch mit geschlechtsspezifischen Unterscheiden zu tun.

Beispielsweise spielt es eine Rolle, wie hoch Dein Stresspegel ist, unter dem Du zu meditieren beginnst, wie der aktuelle Erregungszustand Deines Nervensystems ist, wie stark die Aktivität Deiner Gedanken ausfällt, in welchem aktuellen Zustand sich Dein (weiblicher) Körper befindet, in welchem emotionalen und gefühlsmäßigen Zustand Du gerade bist, wie hoch Deine Sensibilität ist.

Meditation ist individuell

Das schließt ein, dass nicht jede Meditationstechnik für jeden Menschen passt und es massive Unterschiede zwischen den einzelnen Methoden gibt.

Wenn ich von femininen Techniken spreche, beziehe ich mich auf Techniken, die das softe, fließende, rezeptive, bewegte Prinzip betonen, die dem weiblichen Körper entgegenkommen, Bewegung zum Zur-Ruhe-Kommen benutzen und Kreativität erlauben.

Dies harmoniert auch mit der Tatsache, dass unsere meditativen Bedürfnisse innerhalb eines Monatszyklus, in oder nach einer Schwangerschaft, in den Wechseljahren oder in der Menopause variieren.

​Wenn Ihr also Erfahrung damit habt, dass ihr nicht ohne Weiteres still sitzen und den Kopf abschalten könnt, heißt da nicht automatisch, dass Ihr unfähig seid zu meditieren.


Wenn Ihr also Erfahrung damit habt, dass ihr nicht ohne Weiteres still sitzen und den Kopf abschalten könnt, heißt da nicht automatisch, dass Ihr unfähig seid zu meditieren. Es kann auch heißen, dass Ihr eine für Eure aktuellen Bedürfnisse unpassende, weil vielleicht zu maskuline Technik angewendet habt.

​Photo by Max Rovensky

Feminine Meditationsformen

Falls das so ist, probiert einfach andere Formen aus, insbesondere welche, die Eure Physis einbinden. Dazu zählen:

  • Tanzmeditationen, z.B.: Die “5 Rhythmen” von Gabrielle Roth oder die OSHO-Nataraj- Meditation
  • Lachmeditationen, wie sie im Yoga oder Ayurveda praktiziert werden
  • Atemmeditationen, die es in den unterschiedlichsten Formen gibt
  • Aktive, strukturierte Bewegungsmeditationen wie die OSHO-Kundalini-Meditation
  • Gehmeditationen wie sie aus der Vipassana-Meditation bekannt sind
  • Sanfte asiatische Bewegungsformen wie Qui Gong oder Tai Chi
  • Stimmmeditationen wie zum Beispiel die OSHO-Nadabrahma-Meditation
  • Whirling-Meditationen, wie sie aus dem Sufismus bekannt sind
  • Bewusst ausgeführte Bewegungssequenzen aus dem Yoga


Bewegen und still werden

Generell plädiere ich immer dafür, so viele praktische Erfahrungen wie möglich zu machen und zu spüren, was mit dem Innenleben des Körpers resoniert. Deshalb jetzt zur Praxis.

Obwohl es sehr viele feminine Meditationsformen gibt, habe ich für Euch eine Technik ausgesucht, die sehr variabel anwendbar ist und das Prinzip des bewegungsbezogenen Meditierens verdeutlicht. Passt diese einfach an Eure eigenen Bedürfnisse an und experimentiert damit!

Die Übung: “Aus der Aktivität in die Stille hinein”

  1. Das Grundprinzip ist simpel: Bewege Dich so intensiv und so bewusst wie möglich. Je mehr Freude Dir das Bewegen bereitet, desto besser! 
  2. Schließe dem Bewegen dann nahtlos eine Stillephase an. In dieser zentrierst Du Dich sitzend, stehend, anlehnend oder liegend und gleitest übergangslos in einen Zustand entspannter Achtsamkeit hinein.

​Bewegen: Wähle eine Bewegungsart, die Du magst. Das kann Tanzen, Seilspringen, Hüpfen, Bewegen auf dem Trampolin, Hula-Hoop, Joggen, schnelles Gehen, Radfahren, Schwimmen, Spinning, Skaten oder ein dynamisches Yoga sein.

Gern kannst Du eine energetisierende Musik anstellen. Bewege Dich intensiv! Lasse Deine Atem- und Pulsfrequenz deutlich ansteigen. Die Bewegungsphase kann wahlweise zwischen 7 und 30 Minuten dauern.

Doch es gibt eine Bedingung: Spüre Deinen Körper dabei! Anstatt Dich mechanisch zu bewegen oder gedanklich abzudriften, bleibst Du in Kontakt mit ihm und verfolgst Deine Bewegungen bewusst.

Einkehr in die Stille: Halte an. Bleibe idealerweise sofort und ohne jegliche Unterbrechung stehen oder setze Dich auf der Stelle bequem hin. Schließe die Augen und richte Deine Aufmerksamkeit jetzt vollständig nach innen.

Beobachte die physische Reaktion Deines zuvor in Bewegung versetzten Körpers: die Atembewegung, das Weitwerden und Zusammenziehen des Brustkorbes, den Herzschlag, das Pulsieren der Blutgefäße, den Schweiß auf der Haut, das Nacharbeiten der Muskulatur.

Ruhe so lange aus, bis sich die Vitalfunktionen wieder vollständig normalisiert haben.


Viel Spaß dabei!


​Über die Autorin

Katrin Jonas ist internationale Körper-Mind-Trainerin und Meditationsmentorin mit Lebensmittelpunkt in London, Autorin (u.a. “Meditation heilt”, “Der Weg des Wassers. Frauen meditieren anders”), Meditierende, das Leben liebende.

Website: www.katrin-jonas.com

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