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Selbständigkeit als Chance für eine gelungene Lebensbalance

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Wie finde ich eine gute Lebensbalance zwischen Familie und Beruf? Das hat sich vor einiger Zeit auch die promovierte Medizinerin Angelina Bockelbrink (www.gesundheitscoaching.pro) gefragt und entschied sich für eine Teilzeitselbstständigkeit. Über ihre Erfahrungen schreibt sie in diesem Artikel.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

In Deutschland wird aktuell viel über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesprochen. Teilzeitstellen werden in zunehmendem Maße angeboten und ein flächendeckendes Netz von Kinderbetreuungsstätten wird noch aufgebaut. Auch die Tatsache, dass immer mehr Arbeitnehmerinnen neben dem regulären Job noch Eltern oder Schwiegereltern pflegen, wird inzwischen von einigen Firmen und staatlichen Institutionen berücksichtigt. Es gibt immer flexiblere Arbeitszeitmodelle, die vielen Arbeitnehmerinnen mehr Freiheiten in der Gestaltung des eigenen Tages- oder Wochenplans geben. Auf der anderen Seite führt dies dazu, dass immer weniger Menschen ein klassisches freies Wochenende mit der Familie haben. Zudem ist es noch keinesfalls die Regel, die unkomplizierte Teilung einer Arbeitsstelle zu ermöglichen, Teilzeitbeschäftigte für Beförderungen vorzusehen oder gar Führungsrollen in Teilzeit auszufüllen.

Gerade Frauen stehen hierbei besonders unter Druck, da sowohl Kinderbetreuung als auch Pflege von Angehörigen meist eher ihre Aufgaben sind. Aber nicht nur solche aufwendigen Verpflichtungen spiele eine Rolle. Viele Menschen, Frauen wie Männer, wünschen sich einfach mehr Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten, regelmäßige sportliche Betätigung, Hobbys oder die Pflege von Sozialkontakten. Auch ein sogenanntes „Sabbatical“, also eine längere, befristetete Auszeit vom Job, um eigenen Interessen und Zielen nachzugehen oder sich einfach zu regenerieren, ist heutzutage längst nicht mehr den hochqualifizierten Beamten oder Wissenschaftlern vorbehalten.

Auf den Sinn kommt es an

Insgesamt greift die ganze Diskussion um Vereinbarkeit meines Erachtens viel zu kurz, da der individuellen Verwirklichung der eigenen Work-Life-Balance bzw. Work-Family-Balance hierbei nur sehr wenig Bedeutung beigemessen wird. Diese hängt nämlich nicht nur von der tatsächlichen Arbeitszeit, sondern noch viel mehr von eigenen Bedürfnissen, Einstellungen und Zielen ab. Wer im Beruf ausgefüllt und zufrieden ist, wird weniger Ausgleich außerhalb benötigen und eventuell nicht einmal eine strikte Trennung zwischen Beruf und Privatleben vollziehen. Wer hingegen die eigene berufliche Tätigkeit als belastend und wenig sinnstiftend erlebt, wird das eigene Gleichgewicht selbst bei einer Teilzeitbeschäftigung eher als unbefriedigend empfinden.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich mit der Geburt eines Kindes, ganz schnell die Sichtweise auf die eigenen Lebensumstände verändern kann. Vor der Geburt meines ersten Kindes war ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni hochzufrieden. Ich habe oft auch am Wochenende und abends gearbeitet und selten richtig abgeschaltet. Mir bleib dennoch genug Zeit für meine Beziehung, Freunde, Sport und Hobbys. Tatsächlich habe ich genau bis einen Tag vor der Geburt gearbeitet, und das, obwohl mein Sohn an einem Montag auf die Welt gekommen ist.

Als mein Sohn neun Monate alt war, fing ich langsam wieder mit der Arbeit an. Erst nur 10 Stunden pro Woche, überwiegend von zuhause, zwei Monate später ging er regelmäßig zu einer liebevollen Tagesmutter und ich täglich für etwa fünf Stunden ins Büro. Die Überstunden hielten sich in Grenzen, bei Bedarf konnte ich von zuhause arbeiten, mein Sohn ging gern zur Tagesmutter und ich hatte mich auf den Wiedereinstieg gefreut. Nach kurzer Zeit wurde mir dennoch klar, dass ich nicht wieder angekommen war. Die Tätigkeit erfüllte mich nicht mehr mit Zufriedenheit und mir fehlte jegliches Gefühl von Sinnhaftigkeit im Job. Ich wurde immer unzufriedener, konnte den Grund aber gar nicht benennen, die Qualität meiner Leistungen nahm ab, ich war insgesamt unausgeglichen und die Zeit im Büro erschien mir verschwendet.

Erst gut zwei Jahre später, nach der Geburt meines zweiten Kindes, war ich dann soweit, etwas zu verändern. Ich erwarb zusätzliche Qualifikationen und kehrte nicht in meinen alten Beruf zurück, sondern begann selbständig als Dozentin und Entspannungstrainerin zu arbeiten. Weitere zwei Jahre später, nach der Geburt meines dritten Kindes, war mir mein Weg dann klar und ich begann meine selbständige Teilzeittätigkeit als Gesundheitscoach. Dieses Modell gibt mir flexibel genug Zeit für meine Kinder und die Tätigkeit erlebe ich als sinnstiftend und bereichernd.

Frauen gründen anders

Mein Beispiel ist sicherlich nur eines von vielen. Manche Mütter schaffen es vermutlich schneller, ihre Bedürfnisse zu erkennen, zu verstehen und danach zu handeln. Andere verbleiben vermutlich in Jobs und Lebensumständen, die ihnen nicht gut tun, ohne überhaupt zu erkennen, was sie wollen. Für mich funktioniert das Modell der Teilzeitselbständigkeit gut, da ich meinen Tätigkeit liebe, sie meiner Berufung entspricht und mir mehr Kraft gibt als nimmt. Eine Selbständigkeit birgt aber natürlich auch gewisse Gefahren und Risiken. So ist z.B. der wirtschaftliche Erfolg nicht sicher, hohe Selbstmotivation und Selbstdisziplin sind erforderlich, um einerseits regelmäßig und genug, andererseits aber auch in guten Zeiten nicht zu viel zu arbeiten, und speziell für Einzelunternehmerinnen entfällt die soziale Komponente des Jobs, da es keine Kolleginnen zu treffen gibt.

Im Fempreneur- und Mompreneur-Umfeld zeigt sich recht deutlich, dass für viele Frauen die flexible Selbstbestimmung ein wichtiger Treiber für die Selbstständigkeit ist. Auch in anderen Bereichen wird sehr klar, dass Frauen anders gründen als Männer. Frauen gründen meist kleiner, mit geringerem Kapitaleinsatz und sehr oft nebenberuflich. Es geht ihnen nicht darum, der nächste Bill Gates zu werden, sondern darum, ihre Ideen in die Welt zu bringen.

Selbstverständlich löst eine Selbständigkeit nicht alle Probleme einer unausgewogenen Lebensbalance. Und die Verwischung der Grenze zwischen Arbeit und Privatleben wäre für einige Menschen sogar gänzlich unerwünscht. Wichtig ist vielmehr, zuerst eine eigene Unzufriedenheit aufzudecken und sich selbst klar zu machen, was die eigenen Bedürfnisse sind. Auch ich war zuerst nur unzufrieden, bis ich klar erkannt hatte, wo die Ursache liegt und zumindest begonnen hatte einen anderen Weg einzuschlagen.

Zuerst kommt die Erkenntnis

Selbst anzuerkennen, dass die Lebensumstände sich verändert haben und die Bedürfnisse mit Ihnen, ist nicht so einfach wie es sich anhört und kann auf eine Menge Widerstand stoßen. Nicht das Umfeld ist es, dass uns unzufrieden macht, sondern wir sind es, die unzufrieden sind. Das bedeutet, dass wir auch selbst Verantwortung übernehmen müssen, daran etwas zu ändern. Und wir haben immer mehr Möglichkeiten etwas zu verändern, als wir zunächst glauben. Was wir auch nie vergessen sollten: wenn wir nichts verändern, werden wir unzufrieden bleiben, was dazu führt, dass wir weniger leisten, auch in anderen Bereichen weniger Freude empfinden und insgesamt nicht das Leben führen, das wir uns wünschen. Auf lange Sicht wird das zu körperlichen und psychischen Leiden führen, bis zum Burnout und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wie wir leichter unsere Bedürfnisse und Prioritäten erkennen, soll Thema meines nächsten Artikels sein. Auch zur Umsetzung eines ausgeglicheneren und entspannteren Lebens habe ich noch einige Ideen, die ich gerne teilen möchte.

Wer selbst eine spannende Geschichte zu diesem Thema erzählen kann oder gute Inspirationen für andere beitragen möchte, ist herzlich eingeladen mir seine Gedanken mitzuteilen, am besten als Kommentar oder per Mail (info@gesundheitscoaching.pro).

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