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So hat Agenturinhaberin Heike Hassel ihr Business mit Sinn gefunden

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​Ein Business mit sinnhaften Inhalten gibt viel wichtige Motiviation für all die täglichen Aufgaben und Herausforderungen. Das weiß auch Heike Hassel, die sich mit ihrer Kommunikationsagentur d.a.n.k.e - die agentur für Nonprofits und karitatives Engagement im Bereich Werbung und Kommunikation in Düsseldorf selbstständig machte und ihren Fokus dabei auf Nonprofit-Organisationen legt. Damit zeigt Heike, dass einer Geschäftsidee eben sinnvolle Inhalte zugrunde liegen können und manchmal das eigene gute Gefühl, etwas sinnvolles bewirkt zu haben, wichtiger ist als großer Reichtum. Darüber hinaus unterstützt Heike Hassel zusammen mit einem Düsseldorfer Verein ein Mikrokreditprojekt für Frauen in Kenia. Über die Herausforderungen bei einem solchen Projekt und ihrem persönlichen Lieblingsprojekt spricht Heike in diesem Interview.

Bereits euer Agenturname d.a.n.k.e. (die agentur für Nonprofits und karitatives Engagement) zeigt, dass eure Zielgruppe der Non-Profit Sektor ist. Woher kam deine Motivation eine solche Werbeagentur zu gründen?

Das Interesse, soziale Ideen und Organisationen zu unterstützen, begann schon 1995 mit der Gründung der in Düsseldorf ansässigen Obdachloseninitiative fiftyfifty. Seit der Gründung unterstützen wir diese Organisation, die mittlerweile weit über Düsseldorfs Grenzen hinaus bekannt ist und zahlreiche andere Projekte wie Underdog, EastWest, Strassenleben, gutenachtbus oder housingfirst ins Leben gerufen hat. Die Motivation für diesen Bereich zu arbeiten, ergibt sich aus der Sinnhaftigkeit für die Sache selbst.

​"Die Motivation für die​​​​​sen Bereich zu arbeiten, ergibt sich aus der Sinnhaftigkeit für die Sache selbst."

In der klassischen, kommerziellen Werbewelt haben wir es oft mit Dingen oder Angeboten zu tun, die es im Überfluss gibt und oft fragt man sich dann, wem nützt das eigentlich noch? Dieser Nutzen/Benefit wird bei sozialen Projekten/Organisationen sofort klar und man kann sich viel besser mit dem Auftrag identifizieren, was es leidenschaftlicher und somit leichter macht, dafür tätig zu werden.

Was unterscheidet eure Agentur von einer klassischen Werbeagentur?

Auch die Kommunikation im Non-Profitsektor läuft nach klassischen Marketingregeln ab. Es geht auch hier um Aufmerksamkeit, um Sichtbarmachung individueller Werte einer Organisation oder eines Projektes, es geht um Positionierung und Differenzierung etc. Aber es geht eben auch um ganz gezielte Ansprache an die Spenderinnen und Spender, die man für ein Projekt gewinnen möchte und die man lange als solche behalten möchte.

​"Man verkauft kein Produkt, sondern ein gutes Gefühl."

Das heißt zum einen, man muss für die „gute Sache“ begeistern und zum anderen, man muss mit denen, die man begeistern konnte, im Gespräch bleiben, eben eine richtige Beziehung aufbauen. In der Regel verkauft man ja kein Produkt, sondern ein gutes Gefühl. Das ist etwas sehr Emotionales zumal eben auch nicht materiell vorhanden.

Was war persönlich dein Lieblingsprojekt in den vergangenen Jahren und kannst du uns ein wenig davon erzählen?

Bei diesem Projekt handelt es sich um einen Kleinbus, der nachts durch Düsseldorf fährt und an bestimmten Zeiten an festen Orten steht, um dort Bedürftigen mit einer warmen Mahlzeit, warmer Kleidung und last not least Gesprächen zu helfen.

Die Visualisierung dieser Projektidee, vom Namen über die Gestaltung des Busses bis hin zu Plakaten etc. hat dem Projekt in kürzester Zeit so viel Aufmerksamkeit in den Medien und in der Düsseldorfer Bevölkerung gebracht, so dass neben vielen Ehrenamtlichen, die sich für das Projekt interessieren auch ein immenser Spendenzufluss generiert werden konnte.

Gerade bei einer Agentur ist Kundengewinnung das A und O. Hast du hier ganz konkrete Tipps für Gründerinnen, wie sie ihre ersten Kunden gewinnen können?!

Gut ist immer, ein oder am besten mehrere Vorzeigeprojekte zu haben, mit welchem man sich dann bei einer ähnlichen Gruppe vorstellen kann. Der schnellste Weg ist dafür der direkte Weg z.B. der Griff zum Telefon.

"Empfehlungsmarketing die beste und effektivste Form der Werbung."

Und auch heute ist Empfehlungsmarketing die beste und effektivste Form der Werbung. Ansonsten gilt es sich online zu vernetzen und natürlich gefunden zu werden. Hier gibt es zahlreiche Profis im Bereich Suchmaschinenoptimierung (SEO).

Viele wollen etwas Gutes tun, und das nicht nur nebenbei, sondern am besten durch ihren täglichen Job. Doch oftmals ist etwas Gutes tun, nicht mit großem Reichtum verbunden. Sind das auch deine persönlichen Erfahrungen?

Das sind eindeutig meine Erfahrungen. Wenn man wirklich reich werden will, sollte man sich nicht den Nonprofitbereich aussuchen … hier arbeitet man zu anderen Konditionen. Das liegt auch daran, dass Ausgaben für Werbung durch Vorgaben durch z.B. DZI (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen) gedeckelt werden.

Denn mindestens 80% der Spenden sollten in die Projekte selbst gehen und nicht in Administration oder Werbung. Das ist aber nicht immer möglich, gerade in Gründungsphase. Reichwerden steht aber bei mir auch nicht im Vordergrund, sondern vielmehr das gute Gefühl, etwas Sinnvolles bewirkt zu haben.

​"Reichwerden steht aber bei mir ​nicht im Vordergrund, sondern vielmehr das gute Gefühl, etwas Sinnvolles bewirkt zu haben."

Darüber hinaus lernt man immer wieder sehr interessante Menschen kennen, die sich oft mit viel Engagement und Leidenschaft für eine gute Sache einbringen. Das reißt mit und entschädigt so manchen Euro.

Auch persönlich engagierst du dich für die Unterstützung von Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Dein Motto ist dabei „Hilfe zur Selbsthilfe“ - wie genau tragt ihr durch eure Initiative dazu bei und was sind die größten Herausforderungen für diese Frauen?

Um „Hilfe zur Selbsthilfe“ sollte es eigentlich immer gehen. Denn wer ist schon gerne abhängig? Mit einem Mikrokreditprojekt für Frauen unterstütze ich seit 2009 einen Düsseldorfer Verein namens vision:teilen, den wir von d.a.n.k.e. auch aufgebaut haben. Seitdem fliege ich mindestens einmal jährlich nach Kenia und besuche die vor Ort lebenden Partnerinnen und Partner, die dort Frauenselbsthilfegruppen aufbauen und ausbilden, um einen Kleinstkredit (1500,00 Euro für max. 15 Frauen) von uns zu erhalten.

​"Di​​​​​eses Projekt ist deshalb so faszinierend, weil es Menschen sehr viel Selbstbewusstsein und Würde gibt, wenn sie sehen, dass sie in der Lage sind, sich etwas Eigenes aufzubauen."

​Heike Hassel (in der Mitte) zu Besuch bei einem Mikrokreditprojekt in Kenia (Quelle: Heike Hassel)

Dieser Kredit wird verwendet, um sich ein Geschäft aufzubauen. Die zurückgezahlten Kredite nebst Zinsen, gehen dann an neue Frauengruppen. Dieses Projekt ist deshalb so faszinierend, weil es Menschen sehr viel Selbstbewusstsein und Würde gibt, wenn sie sehen, dass sie in der Lage sind, sich etwas Eigenes aufzubauen. Viele können ja weder lesen noch schreiben. Unsere Kreditnehmerinnen zahlen nicht nur zurück, sie können dadurch auch ihre Kinder zur Schule schicken, ihre Familien ernähren und sogar noch sparen.

"Unsere Kreditnehmerinnen können dadurch auch ihre Kinder zur Schule schicken, ihre Familien ernähren und sogar noch sparen."

Die besonderen Herausforderungen in diesen Ländern, übrigens nicht nur für Frauen, sind die oft nicht zuverlässigen, politischen Rahmenbedingungen. An oberster Stelle steht hierbei die Korruption. Trotzdem ist es immer wieder faszinierend zu beobachten, wie kreativ Wege gefunden werden, diese Dinge zu umgehen.

Wir hatten zum Beispiel mal eine Frauengruppe die sich überlegt hatte, ein Leichentransportunternehmen zu gründen. Das ist nicht nur eine lukrative Geschäftsidee, sondern schützt auch vor den in Kenia geldeintreibenden, korrupten Polizisten am Wegesrand, die aus Respekt vor den Toten, diese Wagen nicht anhält um „Wegegeld“ zu kassieren.

Dieses Jahr gab es sehr viel Unsicherheit aufgrund der nationalen Wahlen, die Mitte des Jahres dann wieder annulliert worden sind und sich vermutlich noch bis Ende 2017 hinziehen werden. Das verunsichert viele Menschen im Lande und begünstigt kriminelle Energie.

Danke für das Interview!


​Artikelfoto by Jakob Owens via Unsplash

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