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Susanne Grätsch | Co-Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Berliner Team: „Veränderungen machen Angst oder sind unbequem.“

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Susanne Grätsch ist Co-Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Berliner Team. Diese Position nahm Susanne allerdings erst wahr, als sie aufhörte sich heimlich zu ärgern, wenn im Unternehmen etwas anders lief, als sie es gemacht hätte und anfing, sich coachen zu lassen. Mittlerweile hat sie einen sehr natürlichen Umgang mit dem Thema Veränderung, das auch viele ihrer Kunden betrifft. Warum uns oftmals Veränderung so schwer fällt und vor allem, wie es uns leichter fallen kann, das verrät Susanne im Interview!

Susanne, welche Art der Beratung bietet Euer Unternehmen an und worin unterscheidet Ihr Euch gegenüber den Big Playern der Branche?

Wir unterstützen Menschen und Organisationen in Veränderungsprozessen. Das ist im Moment besonders wichtig, da sich die Welt sehr schnell verändert und nicht alle Unternehmen dabei Schritt halten können. Unsere Kunden wollen flexibel und innovativ werden, oder sie wollen eine attraktive Unternehmenskultur entwickeln, in der Mitarbeiter gerne und motiviert arbeiten.

"Wir unterstützen Menschen und Organisationen in Veränderungsprozessen."

Die sogenannten „Big Player“ der Beratungsbranche sind oftmals deshalb groß geworden, weil sie ihren Beratungsansatz standardisiert und mit vielen jungen Beratern großflächig ausgerollt haben.

Wir hingegen können uns mit viel Erfahrung sehr individuell auf die spezifische Situation unserer Kunden einstellen. In der heutigen schnelllebigen Zeit sind flexible, individuelle Lösungen erfolgreicher.

Ihr begleitet mit dem „Berliner Team“ also Change-Prozesse in Unternehmen. Doch daran tun sich in der Realität, trotz starkem Veränderungsdruck derzeit, viele Betriebe oftmals schwer. Woran liegt das?

Der Mensch tendiert dazu die Lösungen zu wählen, die er kennt, weil ihm das ein Gefühl von Sicherheit gibt. Veränderungen machen Angst oder sind unbequem. Oder man wird selbst betriebsblind und hält die eigene Lösung für die einzig mögliche.

"Veränderungen machen Angst oder sind unbequem."

Deshalb kann es sehr hilfreich sein, wenn einen jemand von außen dabei begleitet und den Prozess immer wieder aktiv anstößt.

Wie kann man sich der Angst vor Veränderung, egal ob im Beruflichen oder Privaten, entgegenstellen und daraus etwas Positives formen?

Der Zustand, den man verändern will oder muss, hat sich meist nicht aus Versehen hergestellt. Er hatte – vielleicht zu einer anderen Zeit oder in einer anderen Situation – seinen Nutzen oder bietet auch heute noch Vorteile.

Wichtig ist, diesen Nutzen des Alten nicht einfach wegzuwerfen oder abzulehnen, sondern ihn anzuerkennen, zu bewahren und um die vielfältigen Chancen des Neuen zu erweitern.

Wenn ich, statt des Gefühls des Verlustes des Alten, ein Gefühl von Bereicherung durch das Neue erfahre, ist die Chance groß, dass die Veränderung ganz von allein stattfindet.

Gibt es auch eine persönliche Geschichte, in der Du selbst vor einer großen Veränderung standst (und die vielleicht anderen Leserinnen Mut macht)?

Ja die gibt es. Ich denke hier an meine Rolle im Unternehmen. Ich kam erst einige Jahre nach der Gründung unserer Firma dazu. Lange habe ich die Unternehmensführung meinen männlichen Kollegen überlassen und mich heimlich geärgert, wenn es dann nicht so war, wie ich mir das vorgestellt habe.

"Es wäre leichter gewesen, meinen männlichen Kollegen hier die „Schuld“ zuzuschieben."

In einer Standortbestimmung mit unserem Developer-Tool war ich erschüttert, dass der Balken „übernimmt Verantwortung“ sehr gering ausgeprägt war. Und überraschend, aber zutreffend, es war was dran. Leichter wäre es gewesen, meinen männlichen Kollegen hier die „Schuld“ zuzuschieben. Das war der Auslöser, mich coachen zu lassen und an mir zu arbeiten.

"Mittlerweile treibe ich die Dinge voran, die mir wichtig sind."

Mittlerweile setze ich mich selbstbewusst für meine Themen ein und treibe die Dinge voran, die mir wichtig sind. Meine Kollegen schätzen das übrigens sehr. Wir sind in der Geschäftsleitung heute voll auf Augenhöhe.

Ihr selbst sagt: „Frauenquote haben wir schon“ und beschäftigt in eurem Team gleichermaßen Frauen und Männer. Warum ist es so wichtig, vor allem auch auf Führungsebene mehr Frauen zu beschäftigen und welchen Mehrwert könnte dies, Eurer Meinung nach, den Unternehmen bringen?

Frauen und Männer sind unterschiedlich, ich glaube, das ist unstrittig. Sie bringen ganz unterschiedliche Qualitäten in ein Team ein. Es gab viele Untersuchungen, welche Teams die an sie gestellten Aufgaben am besten meistern. Die erfolgreichsten Teams sind tatsächlich die, bei denen es einen ausgewogenen Anteil der Geschlechter gibt, weil sich deren Eigenschaften sehr gut ergänzen.

Auch Führung wird von Frauen oft anders gelebt als von Männern. Wenn man junge Menschen fragt, welche Art von Führung sie bevorzugen, legen diese einen hohen Wert auf Beteiligung, Information und Austausch. Sie ziehen die unterstützende, moderierende Führung der anweisenden, dominanten Führung vor.

"Viele Frauen nehmen instinktiv eine moderierende Art der Führung ein, die in der heutigen schnelllebigen Zeit bessere Ergebnisse bringt."

Diese moderierende Art der Führung ist auch die, die in der heutigen schnelllebigen Zeit bessere Ergebnisse bringt. Und es ist der Führungsstil, den viele Frauen instinktiv einnehmen, im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen. Deshalb denke ich, dass es Unternehmen guttut, auch die Damen nach vorne zu lassen.

Natürlich sind diese Aussagen sehr pauschal gehalten. Ich spreche hier nur von Tendenzen, die man im Einzelfall natürlich überprüfen muss.

Eine der größten Herausforderungen für Frauen ist oftmals immer noch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Du arbeitest ja selbst mit Deinem Mann zusammen. Wie geht Ihr privat dieses Thema an und was können Unternehmen ganz allgemein tun, um ihren Mitarbeitern da entgegenzukommen?

Wir haben zwei Söhne, die inzwischen erwachsen sind. Meinem Mann und mir war es immer wichtig, dass wir uns beide gleichberechtigt um die Jungs und den Haushalt kümmern. Da man in unserem Beruf oft tagelang nicht zu Hause ist, war dann immer mal der eine oder mal der andere für die Kinder zuständig. Flexibilität und gute Planung waren der Schlüssel. Aber auch die innere Haltung. Meinem Mann wäre es peinlich gewesen, wenn er als moderner Mann nicht in der Lage gewesen wäre, für Kinder und Haushalt zu sorgen.

"Flexibilität und gute Planung waren der Schlüssel. Aber auch die innere Haltung."

Wenn Unternehmen mehr Mut hätten, Flexibilität anzubieten und den Mitarbeitern zu vertrauen, dass sie mit flexiblen Arbeitszeiten und –orten gut im Sinne des Unternehmens umgehen, dann könnten viel mehr Frauen Kind und Karriere unter einen Hut bringen.


Fotos by Berliner Team

3 Comments

  1. Vielen Dank für den Einblick Susanne! Veränderungen sind stets ein zweischneidiges Schwert, weil man ja vorher nie weiß, was wirklich geschieht, wenn man das bekannte hinter sich lässt. Genau aus dem Grund sind individuelle Lösungen meines Erachtens auch schwerer zu „verkaufen“, weil man keine Standart-Ergebnisse hat, an denen man die eigenen hinterher messen könnte bzw. an denen man sich orientieren kann.
    Aber es ist der bessere Weg, gerade in der Unternehmensberatung würde ich persönlich ungern auf eine standartisierte Lösung zurückgreifen.

  2. „Veränderungen machen Angst oder sind unbequem.“
    Das stimmt. Aber ganz genau dadurch wächst man.
    Fand den Artikel schön geschrieben und am Ende ist das Mindset auch ein wichtiger Punkt 🙂

    LG
    Carmen

    • Liebe Carmen,

      danke für dein schönes Feedback. Das freut mich, dass dir der Artikel gefällt. Und in der Tat, das Mindset ist wirklich enorm wichtig im Business, was übrigens auch die Motivation war mit dem „The Female Founders Book“ ein ganzes Buch über das Mindset erfolgreicher Gründerinnen und Unternehmerinnen zu schreiben. Bei Interesse schau gerne mal, ob dieses Buch auch für dich oder eine gute Freundin interessant ist 🙂

      Viel Erfolg dir und ein wundervolles Jahr 2018!

      LG, Maxi

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