Thea Weiland gründete zusammen mit Mann, Bruder und vier Freunden das Startup 7Leads

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Thea Weiland gründete 2014 gemeinsam mit ihrem Mann, ihrem Bruder und vier weiteren Freunden in Berlin das Startup 7leads, das kleine und mittelständische Unternehmen auf dem Weg in die Digitalisierung begleitet. Über zwei weitere Vergleichsplattformen vermittelt das Team mittlerweile 1.300 Homepage-Baukästen pro Monat in Deutschland und Frankreich. Thea ist zudem Mutter von Zwillingen und sagt: "Mutter­ Sein und Gründen sind zwei Mammut­projekte." Mit welchem Tool sie nicht nur ihr Business, sondern auch die Familie organisiert sowie Thea's Tipp zur Gründungsfinanzierung, erfahrt ihr in diesem Interview.

Warum hast du dich entschieden dein eigenes Business zu gründen?


Selber zu gründen stand am Anfang überhaupt nicht auf meiner Agenda. Ich habe mich nach der Schule für eine Ausbildung zur Bürokauffrau entschieden. Allerdings war relativ schnell klar, dass ein klassischer Bürojob absolut nichts für mich ist. Ich brauche ein eigenes Projekt, das mich begeistert.

Bei meiner nächsten beruflichen Station in einer Agentur konnte ich mich sehr für Suchmaschinenoptimierung und das Thema Digitalisierung begeistern. Im direkten Kundenkontakt wurde mir einerseits das große Potenzial von Cloud-Lösungen bewusst, andererseits habe ich gemerkt, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen einen hohen Beratungsbedarf haben und der Digitalisierung skeptisch gegenüberstehen.

"Ich brauche ein eigenes Projekt, das mich begeistert."

Zusammen mit Freunden, die zuvor in Internet-Unternehmen, Online-Marketing- und Design-Agenturen gearbeitet haben, entstand 2013 der Wunsch, sich selbstständig zu machen. 2014 haben wir zu siebt gegründet und unser erstes Projekt auf die Beine gestellt. Für mich war das absolut die richtige Entscheidung. Es motiviert mich unglaublich, die Erfolge meiner Arbeit so unmittelbar sehen zu können.

Das Gründerteam von 7leads

Erzähl uns mehr über dein Startup!

Für unser erstes Projekt mussten wir uns entscheiden, an welchem Punkt wir ansetzen. Durch unsere bisherigen Erfahrungen und Recherchen wurde uns schnell bewusst, dass die Homepage als digitale Visitenkarte für viele Unternehmer ein Knackpunkt ist. Rund ein Viertel der deutschen Mittelständler hat noch nicht mal eine eigene Homepage.

Also haben wir 2014 eine unabhängige Vergleichsplattform für Homepage­ Baukästen gelauncht – Homepage­Baukasten­Testsieger.de. Mitte 2016 ist dann das Portal Homepage­Ratgeber.de hinzugekommen, in das wir den Vergleich integriert haben. Es ist ein umfangreiches Beratungsportal zum Thema Digitalisierung entstanden.

Neben einem Online­Leitfaden, Ratgeber und Tipps beraten wir auch persönlich per E­Mail, Live­Chat und Telefon. Aktuell vermitteln wir im Monat über 1.300 Homepage­ Baukästen in Deutschland und Frankreich. Dieses Jahr erweitern wir unser Angebot auf den englischsprachigen Markt und weitere SaaS­Produkte für kleine und mittlere Unternehmen.

"Aktuell vermitteln wir im Monat über 1.300 Homepage­ Baukästen in Deutschland und Frankreich."

Rückblickend, was hast du genau richtig gemacht? Und was würdest du ggf. heute anders machen?

Eine große Herausforderung war die Geburt meiner Zwillinge vor zwei Jahren. Einerseits habe ich mich sehr gefreut, andererseits habe ich mir durchaus Gedanken gemacht, ob sich Muttersein und Gründerin miteinander vereinbaren lassen und wie ein Modell aussehen kann, das beide Seiten und mich glücklich macht. Es war unglaublich viel zu planen, aber im Nachhinein kann ich sagen, dass es gut geklappt hat.

Ich hatte große Unterstützung von meinen Mitgründern und meinem Mann. Außerdem hatte ich am Anfang ein Granny­Aupair – eine ganz liebe Ersatz­Omi – die mir eine sehr große Hilfe war. So konnte ich im ersten Jahr Teilzeit arbeiten und eine Lösung finden, die sich für mich in Bezug auf meine Kinder, aber auch in Bezug auf mein Startup gut anfühlt.

"Mutter­ Sein und Gründen zwei Mammut­projekte – man sollte sich keine Illusionen machen, dass es einfach wird."

Mein Mann und ich teilen uns eine 1 3/4 – Stelle bei 7leads und jeder übernimmt sowohl im Job als auch zu Hause die Hälfte der Aufgaben. Trotzdem sind Mutter­ Sein und Gründen zwei Mammut­projekte – man sollte sich keine Illusionen machen, dass es einfach wird.

Was ist dein wichtigtes Tool, das du in deiner täglichen Arbeit nutzt?

Ich benutze Scrum. Das ist ein Projektmanagement­Tool, mit dem wir bei 7leads sehr produktiv arbeiten können. Statt in hierarchischen Konzernstrukturen arbeiten wir in kleinen, dezentralen Scrum­Teams, die selbstverantwortlich und mit hoher Entscheidungsfreiheit einzelne Aufgaben und ganze Projekte umsetzen.

Es gibt einen Product Owner, der die übergeordneten, strategischen Milestones im Auge behält und die Aufgaben zwischen den verschiedenen Scrum­Teilnehmern koordiniert. Der Scrum Master kümmert sich um die Einhaltung der Prozesse und moderiert die Meetings. Damit wir alles im Auge behalten, halten wir alles in der Software JIRA fest.

Ich nutze Scrum mittlerweile auch für Zuhause und habe ein „Scrum for family“ entwickelt. Kitaorganisation, Haushalt und Einkaufen legen wir als einzelne Aufgaben fest und organisieren uns entsprechend. Das funktioniert super und führt auch zum Ende der leidigen „Wer macht was und wer macht mehr“­-Diskussion.

Welchen Tipp hast du für die Finanzierung des eigenen Lebens bzw. deines Business?

Bevor man gründet, sollte ein detaillierter Finanzplan erstellt werden, um den Aufwand einschätzen zu können. Anschließend muss man kalkulieren, wie viel Eigenkapital man aufbringen kann und wie hoch das Risiko ist.

Ich habe schon vor der Gründung darauf geachtet, private Rücklagen zu bilden. Das ist wichtig, um mutige unternehmerische Entscheidungen treffen zu können und um ein Polster zu haben, wenn etwas mal nicht so läuft wie ursprünglich geplant.

Da wir die ersten zwei Jahre komplett eigenfinanziert waren, musste das Geschäftsmodell so gut sein, dass die Einnahmen schnell steigen und die Ausgaben so gering wie möglich gehalten werden. Es ist sehr wichtig, konsequent das Geschäftsmodell im Auge zu behalten und daran zu feilen, um die Nachhaltigkeit des Unternehmens zu sichern. Denn ganz so locker wie es häufig suggeriert wird, sitzt das Geld bei den Investoren dann doch nicht – vor allem nicht in Deutschland.

Thea's Tipps für die Gründungsfinanzierung

detaillierten Finanzplan vor der Gründung erstellen

private Rücklagen bilden

Ausgaben so gering wie möglich halten​

Geschäftsmodell im Auge behalten und ggf. anpassen


Fotos: 7leads

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