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Femizide – Frauenmorde in Deutschland: “Es gilt physische Nötigung, Kontrollverhalten und Stalking als ernsthafte Gefahren wahrzunehmen.”

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Egal ob in Indien, Argentinien oder Deutschland: Körperliche und seelische Verletzungen von Frauen sind weltweiter Alltag. Femizide, also Morde an Frauen, gehören dabei zur extremsten Art dieser Gewalt. Auf internationaler Ebene widmen die Vereinten Nationen seit über 20 Jahren den 25. November der Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Im Hirzel Verlag erschien nun das Buch „Femizide. Frauenmorde in Deutschland“, in dem sich die Autorinnen Julia Cruschwitz und Carolin Haentjes mit dem erschreckenden Thema befassen. 

Im FEMPRENEUR Interview sprachen wir über die erschreckenden Zahlen, wen Gewalt in der Beziehung betreffen kann (Spoiler: Leider jede.), wie wichtig Täterarbeit für den Opferschutz ist und wohin sich Frauen wenden können (bundesweites Hilfe-Telefon „Gewalt gegen Frauen“ 08000 116016).


Femizide - Frauenmorde in Deutschland & Gewalt in der Beziehung

Julia und Carolin, könnt ihr uns kurz ein paar Daten und Fakten zum Thema Femizide geben? Was genau versteht man unter Femizide?

Femizide sind Tötungen von Frauen*, weil sie Frauen* sind. In Deutschland passiert das meistens im Zuge einer Trennung.

2020 wurden 139 Frauen* von ihren (Ex-)Partnern umgebracht, zudem gab es 319 versuchte Tötungen.

Femizide passieren meistens im Zuge einer Trennung.

Wer sind die Opfer? Gibt es bestimmte Kulturkreise oder soziale Kreise, die stärker betroffen sind oder kann es jede treffen?

Femizide durchziehen alle Schichten und Milieus. Es kann jede treffen. Das wird öffentlich nicht so wahrgenommen.

Es scheint schwer zu akzeptieren, dass die deutsche Gesellschaft nicht so gleichberechtigt ist, wie es oft scheint.

Femizide durchziehen alle Schichten und Milieus. Es kann jede treffen.
Femizide Gewalt in der Beziehung toxische Beziehung

Über Häusliche Gewalt wird leider noch zu selten gesprochen. Was sind die Warnzeichen für toxische Beziehungen, die schlimmstenfalls zu Femiziden führen können? Wo fängt Häusliche Gewalt bereits an?

Häusliche Gewalt ist ein massives Problem. Aber nur ein Drittel der Femizid-Täter fallen vorher durch häusliche Gewalt auf.

Wichtiger: Psychischer Druck, Fixierung auf die Beziehung, Isolierung, das Formulieren von Morddrohungen. Da müssen die Alarmglocken läuten.

Wichtige [Warnzeichen für toxische Beziehungen und Gewalt in der Partnerschaft]: Psychischer Druck, Fixierung auf die Beziehung, Isolierung, das Formulieren von Morddrohungen.
Femizide Gewalt in der Beziehung toxische Beziehung

Dem Partner ist einmal die Hand 'ausgerutscht'. Viele Frauen entschuldigen in so einer Situation so ein Verhalten oder haben eben Gefühle für diese Person. Oft heißt es dann: "Aber es war nur ein Ausrutscher. Ich liebe diese Person und er liebt mich." Wie beurteilt ihr so eine Situation?

Viele Menschen wollen oder können sich trotz Gewalt nicht trennen.

Deswegen ist die Täterarbeit so wichtig: Das Abtrainieren der gewalttätigen Verhaltensmuster.

Wir brauchen dringend mehr Angebote dieser Art. Täterarbeit ist Opferschutz.

Täterarbeit ist so wichtig: Das Abtrainieren der gewalttätigen Verhaltensmuster. Täterarbeit ist Opferschutz.

Ich stelle fest, dass ich in einer toxischen Beziehung stecke, schlimmstenfalls massive Gewalt in der Beziehung erfahre. An welche Notfallstelle können sich Betroffene richten?

Eine gute erste Anlaufstelle: das bundesweiten Hilfe-Telefon „Gewalt gegen Frauen“ 08000 116016.

Das bundesweiten Hilfe-Telefon
„Gewalt gegen Frauen“ 
Telefonnummer: 08000 116016


Über das Buch „Femizide. Frauenmorde in Deutschland“

Für das Buch zu Femiziden in Deutschland haben Cruschwitz und Haentjes mit Wissenschaftler:innen, Kriminolog:innen, Polizist:innen, Sozialarbeiter:innen, Anwält:innen, Überlebenden, Zeug:innen und Angehörigen gesprochen und wissenschaftliche Studien analysiert.

Durch Erfahrungsberichte von Betroffenen gelingt ihnen ein persönlicher Zugang zu den Folgen derartiger Verbrechen. Vor allem zeigen sie, dass Femizide ein gesamtgesellschaftliches Problem sind.

So gilt es, physische Nötigung, Kontrollverhalten und Stalking als ernsthafte Gefahren wahrzunehmen, um Veränderungen bei Behörden und in der Gesellschaft zu bewirken. Denn es gibt sinnvolle Wege zu einem besseren Schutz von Frauen vor männlicher Gewalt – sie müssen nur endlich beschritten werden.  

Es gilt physische Nötigung, Kontrollverhalten und Stalking als ernsthafte Gefahren wahrzunehmen, um Veränderungen bei Behörden und in der Gesellschaft zu bewirken.

 

Über die Autorinnen

Julia Cruschwitz studierte Kommunikationswissenschaften in Leipzig und Madrid. Seit 2003 arbeitet sie als freie Autorin fürs Fernsehen, vor allem für die Politmagazine FAKT und exakt des Mitteldeutschen Rundfunks. Für ihre Beiträge wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 

Carolin Haentjes arbeitet seit ihrem Studium der Politik-, Kultur- und Literaturwissenschaften als freie Journalistin und Feature-Autorin, unter anderem für das Deutschlandradio und den Mitteldeutschen Rundfunk.

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