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So begeistert die HWR Berlin junge Frauen für Entrepreneurship und Digitalisierung

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Die H​ochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) ​bietet als Gründungshochschule verschiedene Bachelor-und Masterprogramme zum Erlernen unternehmerischer Kompetenzen an, um die Entwicklung von Unternehmerinnen- und Unternehmer-Persönlichkeiten von morgen zu fördern. Studierende können innovative Geschäftsmodelle in Startups oder Corporate Ventures ​kreieren und im Startup Incubator der HWR Berlin Gründungsideen zur Marktreife entwickeln. ​Im FEMPRENEUR Interview teilen Professorin Dr. Heike Wiesner [​Professorin für Betriebliche Informations- und Kommunikationssysteme an der ​HWR Berlin] sowie Dr. rer. oec. Johannes Kirch [Professor an der bbw Hochschule Berlin] ​ihre Ansätze​, wie sie insbesondere junge Frauen für Entrepreneurship und Digitalisierung begeistern möchten. 


​In dem Verbundprojekt habt ihr 12 Lehrmodule konzeptionell entwickelt und 2 davon getestet. Was ist eurer Meinung nach das Innovative an euren jeweiligen Modulen?

Heike Wiesner: Das Innovative ist natürlich das Gesamtkonzept, welches es nur in diesem europäischen Gesamtprojekt gibt. Das Ineinandergreifen der drei Entwicklungsfelder Digitalisierung, Entrepreneurship und Gender. Dies ist das Herzstück des neukonzipierten Masterstudiengangs.​ Digitalisierung mit Blick auf Entrepreneurship und Gender möglichst praxisnah zu gestalten, ist jetzt und auch in Zukunft eine echte Schlüsselkompetenz.

Johannes Kirch: Das Modul Digital Business Management & Leadership (DBML) setzt auf mehrere Stufen mit unterschiedlichen Schwerpunkten an, welche in dieser Kombination innovativ sind und einen hohen Lerneffekt erzielen: In einem ersten Schritt wird eine Wirtschaftssimulation für einen speziellen Digitalisierungscase einer größeren Organisation durchgespielt. In einem zweiten Schritt werden noch einmal theoretische Grundlagen im Klassenraum vertieft. Höhepunkt ist eine 1-wöchige sog. „Digital-Safari“ zu digitalen Hotspots in Berlin mit vielen Gastbeiträgen, Unternehmensbesuchen und Workshops.


Digitalisierung mit Blick auf Entrepreneurship und Gender möglichst praxisnah zu gestalten, ist jetzt und auch in Zukunft eine echte Schlüsselkompetenz.

​Photo by Mimi Thian

​Wie habt ihr das Thema Gender adressiert?

Heike Wiesner: Auf ganz verschiedenen Ebenen. Im Bereich „Digitale transformative Technologien“ wird z.B. mit einem echten (Startup-) Unternehmen zusammengearbeitet. Ich kooperiere ganz bewusst mit Unternehmen ​von ambitionierten diversen Gründungsteams. Das Gründungsteam hat z.B. einen hohen Frauenanteil, vereint Menschen mit einem Migrationshintergrund oder verfügt über eine hohe Altersdiversität. ​Die Gründungsszene ist sehr divers​ und immer mehr Frauen gründen.​ Somit involviere ich als ersten Punkt ganz bewusst Gründerinnen mit und ohne Migrationshintergrund.

Wir involvieren ganz bewusst Gründerinnen mit und ohne Migrationshintergrund.

Als zweiten Punkt verwende ich einen partizipativen Softwaregestaltungsansatz. Die meisten wissen gar nicht, dass agile Vorgehensmodelle wie Scrum oder Design-Thinking im deutschsprachigen Raum von Christiane Floyd entwickelt wurde, der ersten Professorin der Informatik an einer deutschen Universität. Wir möchten die Notwendigkeit die weiblichen wie männlichen Nutzenden fokussieren und lösungsorientiert auf die neuen Herausforderungen der Digitalisierung reagieren.

Die dritte Ebene von Gender ist die Inhaltsebene. Allein wenn ich mich dem Thema Robotik annähere, wird sehr deutlich, dass sich in Deutschland nach wie vor alles nur um die Automobilindustrie rankt. Im Grunde ist der Markt dort so gut wie gesättigt und auch schon „outgesourced“. Innerhalb des englischsprachigen Moduls “Transformative Technology“ habe ich daher ganz bewusst den Fokus auf Gesundheit und Pflege gelegt. Das sind die Herausforderungen der Zukunft.

Ich bin fest davon überzeugt, dass Deutschland hochqualifizierte Fachkräfte – insbesondere Informatiker*innen – benötigt, die sozio-technische Konstellationen mitdenken und auch buchstäblich begreifen können. Sie müssen zusammen mit Pflegekräften beispielsweise Szenarien entwickeln und programmieren, die Patient*innen und Pflegekräfte entlasten und für beide Personengruppen auch einen tatsächlichen Mehrwert bringen. Robotik muss ganz neu gedacht werden. Hier steht der Mensch im Fokus.

Robotik muss ganz neu gedacht werden. Hier steht der Mensch im Fokus.

​Photo by Element5 Digital

Johannes Kirch: Wir haben die Gastdozierenden aus der Digitalwirtschaft gemischt ausgewählt, auch mit Fokus auf Frauen. Flankiert wurde diese Strategie von der Besprechung erfolgreicher Unternehmensgründungen, wo selbstverständlich auch immer Entrepreneurinnen behandelt wurden, um ganz klar auch weibliche Gründerinnen als erfolgreiche Vorbilder zum Anfassen und als Rolemodels in Cases zu präsentieren.

Auf inhaltlicher Ebene wurden bspw. Bias, die im Gründungskontext eine Rolle spielen, wie dass Frauen weniger Risikokapital einsammeln sowie Gründe dafür und Strategien dagegen, thematisiert. Ein spezieller Workshop durch eine Gründerin machte den Teilnehmenden die eigenen unbewussten Vorurteile deutlich und entwickelte ein Bewusstsein dafür. Auf didaktischer Ebene wurden insbesondere die Teilnehmerinnen ermutigt, ihre Beiträge entsprechend auch vorzutragen und sich einzubringen. Darüber hinaus wurden durchgängig nur gemischte Teams eingesetzt, so z.B. in der Simulation, um die Zusammenarbeit zu stärken.

​Und wie habt ihr das mit dem Thema Entrepreneurship in Verbindung gebracht?

Heike Wiesner: Ich habe das Thema Entrepreneurship auf zweierlei Weise integriert. Einerseits durch die Integration eines echten Praxispartners. Ein junges Unternehmerteam hat einen sehr traditionellen Campingplatz übernommen und diesen als Startup-Idee vollständig auf allen Ebenen digitalisiert. Projektmanagement, Wissensmanagement, Innovationsmanagement, Marketing etc. all diese Dinge wurden auf das Campingplatz-Beispiel digitalisiert und auch unter dem Aspekt Gender und Diversity gestaltungsorientiert erweitert.

Jedes studentische Team hat einen dieser Bereiche übernommen und in enger Zusammenarbeit mit den Entrepreneurinnen eine spezifische Lösung entwickelt und umgesetzt. Zum anderen wurde im Rahmen der Lehrveranstaltung ein 2-Tagesworkshop mit allen Teilnehmenden umgesetzt, in dem sehr viele Instrumente, Tools und (Open Source-) Softwareprodukte vorgestellt und ausprobiert wurden, die für Startups besonders geeignet sind. Das waren z.B. Wikis, CMS, Slack, mehrere Projektmanagement-Lösungen, wie beispielsweise Trello, Asana, Javelin, Skype, aber auch Marketinginstrumente wie Google Trends oder Crunchbase kamen zum Einsatz. ​

​Photo by Becca Tapert

Johannes Kirch: Wir haben viele Personen aus der Gründungsszene aus ganz verschiedenen Kontexten zu Wort gebracht, darunter erfolgreiche Entrepreneur*innen, Forschende, Mitarbeitende aus dem Berlin Startup Incubator und dort wiederum studentische Gründer*innen sowie Berater*innen aus dem Digitalkontext, die Chancen, Risiken und ihre persönlichen Strategien in diesem Umfeld vorstellten.

Workshops wie z.B. zum Design Thinking legten die methodische Grundlagen für eine eigene Produktentwicklung. Darüber hinaus gab es den Auftrag an die Teilnehmenden, auf eigene Faust eine Gründerin oder einen Gründer zu identifizieren, kurz zu interviewen und die Ergebnisse in der Gruppe vorzustellen. Somit wurde auch der Netzwerkgedanke der Gründungscommunity betont, sowie der Gedanke, dass es beim Gründen vor allem auf Mut und Eigeninitiative ankommt.

Über das Projekt "EqualDigiTalent"

​Das ERASMUS+ Projekt "EqualDigiTalent" wurde von der Universität Liechtenstein (Projektleitung), Wirtschaftsuniversität Wien, Katholische Sozialakademie Österreichs sowie Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin von September 2016 bis August 2019 in enger Kooperation durchgeführt. Hauptziel des Projekts war es, einen gender-sensitiven, interdisziplinären Master-Studiengang „Gender Equality in Digital Entrepreneurship“ zu entwickeln und teilweise zu testen. Erfahre hier mehr zu diesem Projekt.

​​Was möchtet ihr jungen Frauen mit auf den Weg geben, die gründen bzw. gründen wollen?

Heike Wiesner: ​Ich möchte ein Grundverständnis für die drei Bereiche „Digitalisierung, Entrepreneurship und Gender“ vermitteln. Wenn die Gründerinnen und Gründer Menschen mit diversen Kontexten in den Fokus setzen, ist schon sehr viel gewonnen. Das erhöht auf jeden Fall den Informiertheitsgrad in Sachen Gründung: Auf was muss besonders zu Beginn geachtet werden? Welche Methoden sind sinnvoll bei der Produktentwicklung? Welche Produkte sind überhaupt sinnvoll und nachhaltig für welche Personengruppe? Das Geschlecht und der diverse Habitus spielt in den verschiedenen Gründungsphasen eine erhebliche Rolle. Was gibt es dabei zu beachten? Welche Akteurinnen habe ich bisher total vernachlässigt?

Lasst euch bitte von der Robotik begeistern! Wir benötigen dringend Gründerinnen in dieser Szene.

Diese Fragen sollten vor der Gründung beantwortet werden und nicht erst, wenn die Unternehmung „Gründung“ womöglich gescheitert ist. Und ganz wichtig natürlich: Lasst euch bitte von der Robotik begeistern! Wir benötigen dringend Gründerinnen in dieser Szene. ​Der transformative Wandel ist gestaltbar. Macht mit! ​

Johannes Kirch: Traut Euch! Ihr bringt alles mit und müsst Euch nicht verstecken, gerade im Kontext der Digitalbranche! Meine persönliche Empfehlung wäre, sowieso in gemischten Teams mit klaren Rollenverteilungen zu gründen, um gegenseitig die Stärken zu bündeln und Schwächen auszugleichen.

Meine Empfehlung ist​, in gemischten Teams mit klaren Rollenverteilungen zu gründen, um gegenseitig die Stärken zu bündeln und Schwächen auszugleichen.

Photo by Pang Yuhao 


Artikelfoto​ by Juan Ramos

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